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Interview geführt von Michael Edele

Gitarrist und Bandgründer Chris DeGarmo schien zur Band zurückgekehrt zu sein, denn er arbeitete mit Queensryche an einigen Stücken zum „Tribe“ Album. Im Interview dementieren Geoff und Scott den Wiedereinstieg des Gitarristen, halten ihm aber immer eine Tür offen.

Hey Geoff, mit der Fleischmütze hätte ich dich beinahe nicht erkannt. Wenn ich nicht gestern noch kurz auf eure Homepage geschaut hätte, hätte ich fast bei dir einen Kaffee bestellt, als du ins Restaurant kamst. Seit wann hast du die Murmel denn?

Geoff: Eigentlich ist das ja schon das zweite Mal, dass ich mit die Haare abgeschnitten habe. Das erste Mal war 93 oder 94 zu „Promised Land“ Zeiten. Das ware eine sehr interessante Erfahrung. Das zweite Mal war nach meiner Solotour im August oder September letzten Jahres.

Ist das nicht immer ein bisschen seltsam? Wenn ich mit die Haare beim Duschen nach oben schraube und danach dann ins Leere greif, wenn ich ein Shirt anzieh und sie aus dem Kragen holen will, krieg ich immer beinahe Panik.

Geoff: Ja, ich war auch immer einer der Typen, die sich immer die Haare aus dem Gesicht gewischt haben, und diese Bewegung legst du nicht so ohne weiteres ab. Wenn da dann nichts mehr ist, kommst du dir schon n bisschen bescheuert vor, aber man gewöhnt sich an dieses Nichts. Außerdem steht meine Frau sehr drauf.

Meine Freundin würde mir den Arsch aufreißen, wenn ich meine Haare absägen würde.

Geoff: Ja, das war bei meiner Frau nicht anders. Die hatte anfangs auch große Bedenken, aber als ich sie meinen Kopf mal rasieren ließ, stand sie total drauf. Seitdem ist sie da immer ganz scharf drauf und das scheint sie richtig wild zu machen, hahaha.

Dann kann ich das verstehen . Klingt nach ’nem guten Deal. Jetzt aber mal zur Mucke. Wie kam es, dass ihr eure neue Scheibe „Tribe“ genannt habt?

Geoff: Da gibt es einige unterschiedliche Gründe. Eine Sache ist, dass ich mich inzwischen sehr für die volksstämmische Aspekt sozialer Evolution interessiere. Das fängt ganz vorne an, als die prähistorischen Menschen noch in Stämmen gelebt haben und deckt die komplette Entwicklung ab. Es geht darum, dass sich bestimmte Gruppen zusammen gefunden haben, sei es aufgrund von Sprache, Gewohnheiten oder was auch immer. Irgendwann kam es einfach dazu, dass sich Stämme (Tribes) gebildet haben. Diese entwickelten sich dann zu Dörfern, Städten, Nationen, Königreichen, und heute kann man eigentlichen von multinationalen Stämmen sprechen, wie zum Beispiel im Fall von Europäischen Union. Dieses ganze Kram, der kurz unter sozialer oder kultureller Evolution zusammen gefasst werden kann, wurde für mich immer interessanter. Ich betrachtete Queensryche von diesem Standpunkt aus und habe festgestellt, dass wir auch so etwas wie ein Tribe sind. Auf diesem Album haben ja sowohl Mike Stone, als auch Chris DeGarmo ein paar Songs komponiert und auch mit diesem beiden kam etwas von diesem Stammesgefühl auf. Wir haben innerhalb der Band alle dies Gefühl von Zusammenhalt und Mike und Chris sind da damit durchaus auch gemeint, auch wenn sie de facto keine eigentlichen Bandmitglieder sind. Der Albumtitel schwirrte mir aber schon lange im Kopf herum. Das schlägt sich auch in den Texten nieder. Ich habe so eine Art Straßentagebuch geführt, als ich letztes Jahr auf dem Motorrad durch Amerika gereist bin. Ich fuhr von Seattle nach Kanada und von da aus nach Mexiko. Ich denke ich habe da einiges von diesem tribal feeling aufgeschnappt, das noch in vielen Menschen vorhanden ist. Es geht viel im Gefühle die ich auf meinen Reisen hatte und natürlich auch um meine Gefühle die ich unter der Bush Regierung habe.

Würdest du Amerika überhaupt als eine Art Tribe bezeichnen? Historisch ist da ja nicht viel zu holen.

Geoff: Da hast du zwar recht, aber ich denke die Bezeichnung geht schon in Ordnung. Ich denke, Nord , Mittel und Südamerika sind Teile des selben Tribes, was den Kontinent, Wirtschaft und Kultur angeht. In gewissem Sinne findet eine globale Stammesbildung im Augenblick statt, wenn man sich die EU und all das anschaut. Ich hoffe, dass die komplette Erdbevölkerung irgendwann zusammen wächst und dann steht uns ja immer noch der Weltraum offen.

In dem Moment kommt auch Scott Rockenfield zur Tür rein, und nach einer kurzen Begrüßung und einer Tasse Kaffe gehts weiter.

Denkst du nicht, dass die Politiker und vor allem die amerikanischen, das im Endeffekt verhindern wollen? Schließlich versuchen eure Politiker ständig, eine Rivalität zwischen euch und Kanada zu beschwören, die in der Art eigentlich nicht existiert.

Geoff: Da ist natürlich keine Rivalität zischen uns und Kanada, so was ist Blödsinn. Das ist wahrscheinlich nur Neid,
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da wir in Amerika eine Bevölkerungsexplosion haben, unsere Rohstoffe langsam auslaufen und unsere Umwelt den Bach runter geht. Wenn man sich dann Kanada im Vergleich anschaut, sieht das natürlich gleich noch viel bitterer aus. Da ist die Umwelt in Ordnung, die Wirtschaft läuft gut, die Gegend ist stellenweise sehr dünn bevölkert, alles scheint so rein zu sein.

Lass uns nochmal auf das Thema Tribe zurück kommen. Würdest du sagen, dass Chris (DeGarmo) wieder Teil dieses Tribes ist? War überhaupt jemals raus aus dem Tribe?

Geoff: Ja, auf jeden Fall, zumindest physisch. Psychisch ist das eine andere Sache, wo ich mir nicht 100%ig sicher bin. Er hat die Band 1997 definitiv verlassen und wollte sich um andere Sachen kümmern. Dann hat er uns aus blauem Himmel angerufen, während wir gerade an der neuen Scheibe saßen, und sagte: „Hey, ich hab ein paar Songideen.“ Und wir dachten uns, warum nicht, komm vorbei und wir schauen uns an, wie die Sache funktioniert. Im Endeffekt haben wir dann zusammen an drei Songs gearbeitet und es hat richtig Spaß gemacht.

Wird er jetzt bei euch dabei bleiben? Für die Europatour steht er ja schon mal nicht zur Verfügung.

Geoff: Es ist weniger eine Sache von bleiben oder gehen, wir lassen ihm eine Tür offen. Wir sehen Queensryche inzwischen eh als ein Quartett an: Scott, Eddie, Michael und ich. Das ist der Kern, und wer dann mit uns Songs schreiben will oder mit uns auftreten will, der kann gerne vorbeischauen und wir entscheiden das dann. Nachdem Chris gegangen ist, kam Chris dazu und hat eine Platte und eine Tour mit uns gemacht. Jetzt ist Mike Stone dabei, um mit uns live zu spielen und hat mit uns auch im Studio gearbeitet. Wie das auf dem nächsten Album aussehen wird, kann ich dir jetzt aber noch nicht sagen.

Die ersten Eindrücke, die ich von „Tribe“ habe sind, dass die Songs alle ziemlich relaxt klingen. Die Songs klingen direkter und einfacher, was jetzt nicht negativ gemeint ist, sondern sie sind einfach eingängiger. Würdet ihr damit übereinstimmen?

Geoff: Hahaha, gut aus der Affaire gezogen. Musik ist einfach sehr subjektiv. Als Journalist musst du versuchen, Musik in Bilder umzusetzen und zu beschreiben. Wir versuchen als Musiker immer Bilder in Musik umzusetzen. Ich fange meist mit den Texten an und schreibe dann die Musik darum. Scott, Mike und Eddie machen das anders herum. Ich bekomme dann die Musik und muss sehen, ob es mich dazu bewegt, Texte zu schreiben. Wenn wir dann etwas geschaffen haben und damit an die ffentlichkeit gehen, wird es immer spannend, denn wie diese unsere Sachen aufnimmt, ist natürlich immer unterschiedlich. Gestern hatten wir einen Kerl bei uns, der sagte, dass „Tribe“ die härteste Scheibe sei, die wir je gemacht hätten. Ein andere Typ meinte hingegen, dass wir ein sehr softes Album gemacht hätten, mit vielen Balladen drauf. Es ist also schwer zu sagen, was wir über unser Musik denken.

Als ich mir „Q2K“ angehört habe, klang das für mich wie ein Versuch, wieder zurück zu den Wurzeln zurück zu kehren. Dann kam deine Solo CD, Geoff, wo du sehr viel mit elektronischen Sachen experimentiert hast, und auch diese Scheibe war deutlich ruhiger. Das selbe trifft für mich auch bei „Tribe“ zu. Für mich klingt das stellenweise wie der nächste Schritt von „Hear In The Now Frontier“.

Scott: Vermutlich sind das die Songs, die Chris geschrieben hat. Ich kann dazu nur sagen, hör dir die Scheibe noch ein paar mal an. Klingt ja nicht danach, als ob sie dir nicht gefallen würde.

Nein, ganz im Gegenteil,
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mir gefällt „Tribe“ durchaus. Der härteste Track ist meiner Meinung nach „Desert Dance“.