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Ibadet Ramadani: Weil wir uns in einer sehr schnellen Zeit aufhalten, vergessen wir die Vergangenheit. An Orten wie diesen kann man dem Respekt zollen und wieder erinnert werden, was alles unter wahnsinnig schweren Umständen geleistet und geschaffen wurde.

Michael Haves: Soviel ist schon so lange präsent. Siehst du ein Gemälde von Hieronymus Bosch, fragst du dich auch, wieviel von heutiger Fantasy überhaupt noch Fantasy ist. Es ist doch ganz schön früh alles ausgereizt worden.

Gibt es einen Ort, einen Fund oder ein Kunstwerk, der oder das Eurer Musik entspricht?

Haves: Nichts Konkretes. Die Gesamtheit an sich. Die ist ja nicht von einer konkreten Sache inspiriert, sondern von einem Weg, der irgendwo drin steckt. Diese Wege inspirieren uns: Wenn man sieht, wie sich ein Künstler über Jahre entwickelt hat oder wie zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Sache auf einen bestimmten Punkt gebracht wird. (Somebody Tried To Steal My Car)

Seid ihr denn musikalisch und persönlich heute dort, wo ihr hin wolltet, als ihr beiden Super 700 gegründet habt?

Ramadani: Wir sind dem näher gekommen.

Haves: Komischerweise aber dadurch, dass wir weniger perfektionistisch waren. Diesmal war es ein komprimierter Prozess, der keine Zeit für Perfektionismus ließ. Wir hatten uns vorgenommen, alles in bestimmten Zeiträumen zu schaffen, schreiben, proben, aufnehmen, mischen.

Und wie lange hat es nun gedauert?

Ramadani: Manche Songideen liegen weiter zurück, die haben wir für die Platte ausgearbeitet. Andere Songs wurden in Südfrankreich geschrieben. Wir nahmen uns fünf Wochen Auszeit und zogen in ein Dorf, weg von Internet und Zivilisation. Anfangs fiel es schwer, runter zu kommen und in diese Ruhe zu finden.

Diese Ruhe könnt Ihr hier in Berlin so nicht finden?

Ramadani: Schwierig. Ich sehne mich nach Weite, nach landschaftlicher Ruhe. Es wäre schön, die Ruhe auch im trubelhaften Berlin zu finden. Aber mir fällt das schwer, deswegen habe ich danach verlangt.

Ihr seid allesamt zugezogene Berliner aus München, Münsterland und Hannover. Und Du, Ibadet, und Deine Schwestern kommen aus Albanien.

Ramadani: Ja, wir sind Kosovoalbaner. Ich bin hier geboren, als Kind dort aufgewachsen, dann wieder zurückgekehrt. Erst im November waren wir wieder dort.

Ein Gegensatz zu unserer materiellen täglichen Umgebung?

Ramadani: Dort geht es noch mehr um Konsum als hier! Meine Eltern haben nach dem Krieg dort Hilfe geleistet und immer wieder Güter gebracht und dachten, die Menschen freuen sich. Aber sie wollten die Altkleider gar nicht haben. Die wollten Markenklamotten. Sie wollten gut ausschauen, nach all dem, was sie durchlitten hatten. Party und Konsum. Wenn ich aus Berlin in ein albanisches Dorf komme, gucken die mich nur an und denken, ich ticke nicht mehr richtig: kommst aus der Stadt, du musst doch glänzen! Wir haben alles was wir brauchen, können uns wieder auf andere Sachen besinnen. Dort aber bist du nichts, wenn du nicht gut ausschaust. Dann wirst du nicht gut behandelt.

Ihr achtet in Eurer Musik sehr darauf, nicht zu sehr nach Bekanntem zu klingen.

Ramadani: Es kam in der Vergangenheit vor, dass wir Stellen fanden, die uns an was anderes erinnert haben und wir deshalb sofort drüber nachdachten, was zu ändern. Diesmal haben wir einfach zugelassen. Keine Verbote oder Regeln.

Haves: Diesmal ging es mehr um den Song an sich. Vieles ist schon sehr lange sehr präsent, trotzdem bemüht man sich nicht um den naheliegenden Link. Man kann keinen Song schreiben, der gerade sowieso präsent ist. Selbst wenn man die Idee selber hatte, interessiert das hinterher keinen mehr. Bei allen Schwierigkeiten, die dadurch entstehen, empfinden wir es als Glück, wenn jemand sagt, er könne es nicht einordnen.

Gibt es dennoch Künstler, die für Euch eine gute Referenz darstellten?

Haves: Uns interessieren Wege und das dazupassende Ergebnis. Es ist schön, zu sehen, wenn jemand etwas auf eine runde Art und Weise lebt und seine Kunst auch mit ihm zusammenhängt, ein Weg ist. Heute ist es bei Kunst so, dass die Biografie oft mehr erzählt als der Inhalt. Es ist auch toll zu sehen, wie sich Inhalte von bestimmten Künstlern über die Zeit entwickeln, ob ihre Sache einen Bezug zu ihrer Zeit hat oder für sich steht. Uns interessiert nicht, ob die Personen in armen Verhältnissen in einem Strohbett aufgewachsen sind oder so ein Zeug.

Die taz schrieb ja mal, Super 700 seien bestem Weg, die deutschen Garbage zu werden. Von Garbage kenne ich nur den James Bond Song. Viele Bands haben wir erst kennengelernt, weil wir mit ihnen verglichen wurden.

Auch wegen Eures im Pop eher seltenen weiblichen Gesangs fallen einem Künstler wie Portishead, PJ Harvey oder My Brightest Diamond ein. Benutzt Ihr die Frauenstimme bewusst als Hinhörer?

Ramadani: Wir haben ein Potential an Leuten, an Instrumenten, daraus versuchen wir etwas zu kreieren. Wenn es nur eine Stimme wäre, würden wir trotzdem etwas sehr Eigenes machen können. Oder ich könnte die Stimmen doppeln. Ich finde Chorgesang wunderschön, ob Männer oder Frauengesang. Wenn ich an russische Männerchöre denke, bin ich geflasht. Das Tolle an meinen Schwestern war immer, das wir wie eins klangen.

Haves: Und eine schöne Frauenstimme macht noch keinen guten Song. Erst wenn die Musik zur Stimme passt und umgekehrt ist damit eine Aufmerksamkeit verdient.

Ihr wisst, was ihr könnt. Seid Ihr überzeugt, dass es bald auch kommerziell mit Super 700 klappen könnte?

Haves: Dafür gibt es zu viel gute Musik, die man kennt und die Erschaffer davon nicht leben können. Natürlich sind wir von unserer musikalischen Qualität derart überzeugt, dass wir alles reinbuttern, was uns an Talent zur Verfügung steht. Aber es gehört erstens viel Glück dazu, damit es dann am Ende zum berleben reicht und zweitens viele andere Dinge, die nicht mit guter Musik zu tun haben. Du läufst im Radio, tauchst in Zeitungen auf, schon denken die Leute, du müsstest wahnsinnig viel Geld damit verdienen. Das ist illusorisch.
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