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Altkanzler Gerhard Schröder hat sich über Bild“ beschwert. Ein Bericht des Boulevardblatts zu seinem wohl bevorstehenden Engagement beim russischen l Konzern Rosneft sei falsch. Ich habe den Eindruck, das hat weniger mit meiner Tätigkeit zu tun als vielmehr mit dem Wahlkampf. Hier soll offenbar Frau Merkel geholfen werden“, sagte Schröder dem Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND“). Das ist wiederum eine recht steile These. Was aber feststeht: Bild“ verbreitet ziemlichen Unsinn über Schröders möglichen Job bei Rosneft. Doch der Aufstieg in den Rosneft Vorstand ist keine einfache Beförderung. Es ist eine Adelung Schröders, seine Aufnahme in Putins innersten Kreis der Macht.

Die berwindung moralischer Hindernisse lassen sich die Vorstände des l Riesen fürstlich vergüten. Aus dem Geschäftsbericht von 2016 geht hervor, dass Rosneft seinen neun Vorstandsmitgliedern rund 52 Millionen Euro an Gehältern, Boni und Zuschüssen zahlte. Das sind fast sechs Millionen Euro pro Person.

Die in der Bild“ Zeitung genannten Summen seien völlig absurd, sagt Schröder. Für die für ihn vorgesehene Rolle werde er weniger als ein Zehntel der von Bild“ genannten sechs Millionen Euro“ bekommen, vorausgesetzt er werde überhaupt in das Gremium gewählt.

Nun behaupten Bild“ und Piatov nirgendwo direkt, dass Gerhard Schröder sechs Millionen Euro pro Jahr bekommen solle. Der Dreischritt aus in den Vorstand des l Giganten Rosneft berufen werden“, der Aufstieg in den Rosneft Vorstand“ und dass Rosneft seinen neun Vorstandsmitgliedern rund 52 Millionen Euro an Gehältern, Boni und Zuschüssen zahlte“ könnte bei der Leserschaft aber durchaus den Eindruck erwecken, dass Schröder eine derartige Summe bekommen könnte.

Bild“ Chefchef Julian Reichelt sieht das naturgemäß anders. Darin steht, dass Schröder Vorstand wird. Dann blättern Sie die Vorstandsgehälter auf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. August 2017

Steht da nicht. Da steht, dass er in den Vorstand berufen wird, nicht, dass er Vorstand wird. Bitte korrekt zitieren. August 2017

1) Wir haben große Zweifel, dass der durchschnittliche Bild“ Leser, bei dem selbst die Bild“ Redaktion es regelmäßig für notwendig hält, ihm eine Lesehilfe für das Wort Bachelor“ an die Hand zu geben, ohne Weiteres die feinen Unterschiede zwischen Vorstand wird“ und in den Vorstand berufen wird“ erkennt.

2) Im Text von Filipp Piatov steht tatsächlich nicht, dass Gerhard Schröder Vorstand wird“. Schröder steht für das Aufsichtsgremium von Rosneft zur Wahl, den sogenannten Rat der Direktoren“. Bei einer deutschen Aktiengesellschaft wäre das Pendant wohl der Aufsichtsrat. Das mag Schröders Verhalten nicht weniger fragwürdig erscheinen lassen, es handelt sich aber um einen anderen Posten als von Bild“ behauptet.

Auf der Rosneft Website sind das Management board“, in etwa der Vorstand, und das Board of Directors“ aufgelistet. Schröder ist einer von mehreren Kandidaten für das Board of Directors“. Im anglo amerikanischen Raum vereint das Board of Directors“ laut Wikipedia“ zwar die Funktionen von Aufsichtsrat und Vorstand; im selben Wikipedia“ Artikel steht aber auch, dass in Russland statt des Vorstandes der Aufsichtsrat als der Direktoren'“ bezeichnet werde.

Der frühere Bundeskanzler wird also kein Vorstandsgehalt bei dem russischen l Konzern bekommen, sondern ein Aufsichtsratsgehalt. Im Rosneft Jahresbericht für 2016 (PDF, Seite 202) steht, dass die Mitglieder des Board of Directors“ im vergangenen Jahr jeweils zwischen 550.000 und 580.000 US Dollar erhalten haben. Den neun elf Mitgliedern des Management board“ zahlte Rosneft 2016 insgesamt 3.726.609.809 Rubel (Seite 203), was, je nach Wechselkurs, den von Filipp Piatov erwähnten 52 Millionen Euro entspricht. Die Summe, die die Mitglieder des Board of Directors“ bekommen haben und die für die Berichterstattung über Gerhard Schröder relevant wäre, erwähnt Piatov nicht. Entweder kannte er sie nicht oder er wollte sie nicht kennen oder er dachte wirklich, dass Schröder ein Kandidat für den Rosneft Vorstand ist. August: Bei dem Bild“ Bericht ist noch mehr falsch als bisher gedacht. Anders als von Autor Filipp Piatov behauptet, besteht der Rosneft Vorstand (Management Board“) nicht aus neun, sondern aus elf Personen. So steht es im Rosneft Jahresbericht für 2016 (PDF, Seite 193):

The number of members of the Company’s Management Board has not changed and totals 11 persons.

Somit verteilen sich die 3.726.609.809 Rubel (rund 52 Millionen Euro), die Rosneft im vergangenen Jahr ans gesamte Management Board“ zahlte, nicht auf neun, sondern auf elf Personen. Im Schnitt bekam also jeder etwa 4,7 Millionen Euro. Piatov hatte geschrieben, dass jedes Rosneft Vorstandsmitglied im Schnitt fast sechs Millionen Euro“ bekommen hat.

Die Tätigkeit der bisherigen neun Mitglieder des Aufsichtsrats waren zuletzt mit 52 Millionen Euro an Gehältern, Boni und Zuschüssen dotiert worden, fast sechs Millionen Euro je Person.

Auch wenn die beiden FAZ“ Autoren es im Gegensatz zu Piatov hinbekommen, Altkanzler Gerhard Schröder mit dem Aufsichtsrat von Rosneft in Verbindung zu bringen und nicht mit dem Vorstand des Unternehmens, ist der Absatz falsch: Die neun Aufsichtsratsmitglieder bekamen 2016 nicht 52 Millionen Euro, sondern deutlich weniger (siehe oben). Offenbar haben Lohse und Wehner bei Piatov abgeschrieben oder sie benutzen rein zufällig denselben Rubel Euro Wechselkurs wie der Bild“ Autor und kommen rein zufällig auf dieselben falschen sechs Millionen Euro je Person“.
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